Erbarmungswürdig, wie Kinder unter Corona-Maßnahmen leiden

Dieser unglaublich wichtige Artikel hat mir endgültig erklärt, warum ich mich so unwohl fühle mit dem, was die Allgemeinheit/das System von mir verlangt, und warum ich so rebelliere (und mich in anderer Gesellschaft/mit Kindern so wohl fühle). im Grunde genommen befinden wir uns, nicht erst seit Corona, in einer erbarmungswürdigen, unbewusst unfreien Situation. Aber lest selbst:


Kinder leiden unter Lockdown: Hirnforscher erklärt, wie wir sie schützen


Gerald Hüther im FOCUS-Online-Interview


Nur weniger als 10% sind von den Corona-Maßnahmen unbeeindruckt. 7 von 10 Kindern leiden unter Corona. Bereits 25 % aller Kinder haben Depressionen bis hin zur Selbstmordgefährdung – Tendenz: steigend. Hirnforscher Prof. Gerald Hüther erklärt, wie wir sie schützen.

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Getty Images/Westend61


FOCUS-Online-Redakteurin Gina Louisa Metzler

Montag, 19.04.2021, 11:39



Seit über einem Jahr müssen auch Kinder mit den Corona-Regeln zurechtkommen. Das können sie teils sehr gut, denn ihr Gehirn passt sich an die Umstände an. Dieser Prozess birgt jedoch auch Gefahren, mahnt Hirnforscher Gerald Hüther. Im Interview verrät er, wie wir den Kindern jetzt helfen können.


Seit über einem Jahr müssen viele Kinder darauf verzichten, Freunde und Familienmitglieder zu treffen. Der Betrieb von Schulen und Kindergärten ist über lange Zeiträume hinweg nur eingeschränkt möglich gewesen. Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder sich vorbildlich an die Regeln halten. Andere machen sich Sorgen, weil ihre Kinder die Situation so ernst nehmen, dass sie inzwischen Angst haben, das Haus zu verlassen.


Während die Kinder und Jugendlichen immer noch sehr selten schwer an Covid-19 erkranken, häufen sich Berichte darüber, welche negativen Auswirkungen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf die Jüngsten in unserer Gesellschaft haben. Kinderpsychiater und Ärzte sind zum Teil alarmiert, weil Schlafprobleme, Übergewicht, Verhaltensauffälligkeiten, Bewegungsmangel und Ängste unter Kindern und Jugendlichen zunehmen. Auch Umfragen haben gezeigt, dass sich die Situation für die Jüngsten seit einem Jahr immer weiter verschlechtert.


73 Prozent der Kinder geben an, dass es ihnen schlechter geht als vor der Pandemie


In der Umfrage "Jetzt sprichst du" wurden 4000 Kinder und Jugendliche in Österreich und 1400 in Deutschland zu ihren Erfahrungen mit der Corona-Pandemie befragt. So wurde unter anderem die allgemeine Stimmungslage abgefragt:

  • 73 Prozent der befragten Kinder und Jugendliche gaben an, dass es ihnen nun schlechter gehe als vor Corona.

  • 59,2 Prozent fühlen sich öfter wütend und genervt als vor Corona, zudem 46,6 Prozent öfter einsam/allein und 43,8 Prozent öfter traurig.

  • 9,1 Prozent der Kinder fühlen sich „gleich wie immer“ oder „sogar besser“ (1,9 Prozent).

Die Situation, in der Kinder und Jugendliche sich befinden, kann also durchaus als besorgniserregend bezeichnet werden. Einer, der sich ebenfalls Sorgen um die Jüngsten macht, ist Gerald Hüther. Der Neurobiologe möchte jetzt vor allem dazu beitragen, dass die Kinder die Hilfe und Unterstützung bekommen, die sie benötigen, um nicht langfristig unter den jetzt geltenden Einschränkungen leiden zu müssen.


Im Gespräch mit FOCUS Online erklärt er, was gerade in den Köpfen der Kinder passiert – und was Eltern, Lehrer, Erzieher wissen müssen, um sie jetzt gut zu begleiten.


FOCUS Online: Herr Hüther, wie schätzen Sie die Situation der Kinder in der Pandemie derzeit ein?


Gerald Hüther: Lassen Sie es mich in einem Bild zum Ausdruck bringen: Der Ausbruch der Corona-Pandemie ist vergleichbar mit der Feststellung, dass das Haus, in dem wir wohnen, in Brand geraten ist. Es mussten Maßnahmen ergriffen werden, also wurde die Feuerwehr gerufen, um den Brand zu löschen. Dabei wurde zwangsläufig und neben vielem anderen auch das Kinderzimmer mit unter Wasser gesetzt. Jetzt, nach einem Jahr, bemerken wir immer deutlicher, wie sehr die Kinder darunter leiden.


Kinder und Jugendliche müssen genau wie alle anderen seit über einem Jahr mit massiven Einschränkungen leben. Machen Sie sich Sorgen um die Kinder?


Hüther: Wir wisse